Stell Dir vor, Du willst Deine .NET-App mit einem KI-Modell sprechen lassen. Bisher hieß das: viel Integrationsaufwand, proprietäre Schnittstellen und am Ende ein System, das an ein bestimmtes Modell gebunden ist. Jonah Andersson, Cloud- und Azure-Spezialistin, erklärt im Interview "DWX hakt nach", warum MCP das alles deutlich entspannter macht.
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offenes, standardisiertes Protokoll, das Entwickler:innen dabei hilft, ihre Applikationen mit KI-Modellen zu verbinden – ohne sich dabei an ChatGPT, Copilot, Claude oder Gemini festzunageln. "Es ist modell-agnostisch", sagt Jonah. "Solange das Modell programmierbar ansprechbar ist, funktioniert es." Für .NET gibt es bereits ein offizielles C#-SDK. Der Einstieg ist also keine Raketenwissenschaft.
Was MCP besonders attraktiv macht: Die Business-Logik bleibt, wo sie hingehört – im eigenen Code. Die KI-Schicht wird sauber davon getrennt. Separation of Concerns, wie man's aus gutem Software-Design kennt. Kein Vermischen, keine unübersichtlichen Abhängigkeiten.
Auf Azure wird das Ganze nochmal interessanter. Jonah hebt drei Technologien hervor, die gut zusammenspielen: Erstens Azure Functions mit dem neuen MCP Tool Trigger – der ist mittlerweile verfügbar und erlaubt es, eigene MCP-Server als Backend-APIs zu betreiben. Zweitens Azure Durable Functions, die sich für komplexe Orchestrierungen mit mehreren KI-Agenten anbieten, etwa Fan-out/Fan-in-Muster oder parallele Tasks. Und drittens Azure API Management, das inzwischen MCP-Support mitbringt und die Verwaltung der Backend-APIs vereinfacht.
Drei Use Cases für MCP nennt Jonah: Eine Enterprise Knowledge Base, bei der Azure AI Services als MCP-Tools fungieren und Inhalte für KI-Agenten abrufbar machen. Ein KI-gestützter DevOps-Assistent, der Azure Monitor abfragen oder CI-CD-Pipelines triggern kann. Und ein automatisierter IT-Support-Agent, der Tickets bearbeitet und Support-Anfragen innerhalb bestehender Applikationen behandelt – ohne menschliches Eingreifen bei Standardfällen.
MCP sei zwar noch jung und wird sich weiterentwickeln, aber wer jetzt anfängt, damit zu experimentieren, hat die Nase vorn. Das Protokoll reift schnell – und die Tooling-Landschaft drumherum auch.
Mehr dazu gibt es auf der DWX 2026, 29. Juni bis 2. Juli 2026, Mannheim. https://www.developer-world.de/dwx
Jonah Andersson ist Entwicklerin und Lead Cloud DevOps Engineer aus Schweden. Sie arbeitet als Senior Azure Consultant. Mit einem Hintergrund in Informatik und Systementwicklung hat sie sich auf .NET-Technologien spezialisiert und glänzt in der Cloud-Entwicklung, insbesondere auf Microsoft Azure.
Jonah liebt es, komplexe Probleme zu lösen und moderne Applikationen zu bauen. Cloud-Plattformen wie Azure sind ihr Heimspiel – und ihre Expertise hat ihr internationale Anerkennung eingebracht. Sie ist Microsoft Most Valuable Professional und Microsoft Certified Trainer, geehrt für ihre Beiträge zur Tech-Community. Ihr Buch "Learning Microsoft Azure: Cloud Computing and Development Fundamentals" (O'Reilly Media) unterstreicht, wie tief ihr technisches Wissen reicht.
Jonah ist in Tech-Communities und auf internationalen Events aktiv, knüpft Kontakte und teilt ihr Wissen mit anderen Entwickler:innen. Ihr Engagement geht dabei weit über die reine Technik hinaus: Als Gründerin und Leiterin der Azure User Group Sweden inspiriert und begleitet sie andere auf ihrem Weg in die Tech-Welt. Außerdem ist sie MCT Community Lead aus Schweden und unterstützt dort Microsoft Certified Trainer:innen in der Community.
Für ihr Engagement für Gleichstellung und Inklusion in der Tech-Branche wurde Jonah gleich zweimal ausgezeichnet: mit dem Developer of the Year Award bei den Nordic Women in Tech Awards 2023 und beim Developers Day 2024. Sie mentort Frauen, die eine Karriere in der Technik anstreben, und ist Co-Hosterin des Podcasts "Extend Women In Tech" – für eine inklusivere Tech-Welt für alle.