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Lesedauer 4 Min.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Die Fähigkeit zum genauen Hinsehen scheint immer mehr verloren zu gehen, ­auch bei Entwicklern. Woran liegt das?
© dotnetpro
Sie kennen bestimmt den folgenden Witz. Ruft ein Anwender beim Support an, um einen Fehler in der Software zu melden. Der Supportmitarbeiter fragt als Erstes: „Was steht denn auf dem Bildschirm?“, und der Anwender antwortet: „Ein Blumentopf.“Okay, im Zeitalter der Flachbildschirme ist der Witz vielleicht nicht mehr ganz so nachvollziehbar, aber er bringt auf den Punkt, welches Schicksal einem Supporter widerfährt, wenn er nicht die Informationen bekommt, die er braucht.Wie sehr ärgert man sich als Entwickler, wenn man lediglich die Meldung bekommt: „Geht nicht mehr.“ – Ja, was geht nicht mehr? Seit wann? Was haben Sie davor gemacht? Welche Fehlermeldung kommt denn?Na ja, denkt man sich schließlich, was soll man machen, das sind halt … User.Aber betrifft das nur die User? Was mir in letzter Zeit immer häufiger widerfährt, ist, dass auch Entwickler unspezifisch um die Ecke kommen: „Das hat nicht funktioniert!“ Oder: „Das hat einen Fehler gebracht“, ohne die Meldung genau gelesen zu haben. „SQL Error“ – ja, aber welcher? Liest man genauer, dann steht da, dass die Spalte „Start“ nicht NULL sein darf. Aber so weit kommt es nicht mehr. Da ist was rot, es kam vom SQL Server und das Detail interessiert schon nicht mehr. Geschweige denn die InnerException.Ich frage mich, ist das ein neuer Trend? Und wenn ja, woher kommt das? Von der Unsicherheit, dass es bestimmt am eigenen Code liegen muss und nicht am vollen Logfile, dass eine SQL-Exception kommt? Oder kann man schon nicht mehr genau lesen? Ist die Lesekompetenz in den letzten Jahren gesunken?Ich bin kein Freund davon, die Vergangenheit zu verklären und in der Gegenwart nur den Verfall der Sitten zu entdecken. „Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte.“ Sie fragen sich jetzt, von dem dieses Zitat stammt? Von Friedrich Merz? Oder ist es schon älter? Adenauer? In Wahrheit ist es 5000 Jahre alt und stammt von einer Tontafel der Sumerer, die circa 3000 vor Christus beschrieben wurde. Die Jugend ist heute nicht schlechter, als sie es einmal war. Das kann es nicht sein.

Das Gefühl fürs große Ganze …

Ich denke, dass es damit etwas zu tun hat, dass sich die IT und die Entwicklung immer weiter spezialisieren. Die Generation der jetzt 50-Jährigen hat IT von der Pike auf gelernt. Wir haben ein Modem selbst gelötet, mit Peek and Poke Speicherwerte direkt verändert und später natürlich Datenbanken, Logik und Frontend in einem gemacht. Zuerst mit Clipper, dann mit dBase und Access und später mit Data Access Layer und React im Frontend. Wenn da irgendein Teil im Ganzen spinnt, dann ist das Interesse groß, nachzuforschen, woran das liegt. Es genau zu verstehen, die Meldung zu inhalieren.Wer sich aber beispielsweise auf Frontends spezialisiert hat, den interessiert kaum, warum da ein Server jetzt einen Fehler ausspuckt. Der Server ist nicht sein Zuständigkeitsbereich. „Da geht was nicht? Was habe ich damit zu tun? Keine Ahnung.“Und so stellt sich für mich die Frage, wie man wieder die Begeisterung am Detail, die Begeisterung für die Nuancen der Fehlermeldungen wecken kann.

… schärft den Blick fürs Detail

Ein wichtiger Bestandteil ist, jedem den Blick auf das große Ganze freizuräumen. Das kann damit gelingen, dass man die Architektur für alle klar sichtbar macht: Da ist ein Client, der spricht mit einem API, das geht gegen eine Datenbank und deren Informationen liegen auf einer Festplatte. Deshalb ist das schon wichtig, wie viel Platz auf der Platte ist, wenn du da einen Request schickst. Oder dass man in den Teams auch mal wechselt. Der Frontender soll sich einfach mal eine Woche neben den API-Programmierer setzen und mitmachen.Nur zu klagen, dass da keiner mehr genau liest, bringt uns nicht weiter. Geklagt wurde immer schon. Die Menschheit ist dann gewachsen, wenn man die Jugend begeistern und die Neugier wecken konnte. Wenn man andere ermutigt und befähigt, zu neuen Ufern aufzubrechen. Und wer sich dann zum ersten Mal in ungewohntem Terrain bewegt, der wird merken, dass es sinnvoll ist, die Schilder genau zu lesen, die andere für ihn aufgestellt haben.In diesem Sinne: Tauschen Sie die Rollen. Nehmen Sie die Warnungen ernst! Happy Coding!
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