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Lesedauer 4 Min.

C# 14, Blazor und die Desktop-Frage

C# 14 bringt echte Verbesserungen für den Entwickleralltag – aber nicht jedes neue Feature ist ein Game Changer. Microsoft MVP Thomas-Claudius Huber sortiert, was in der Praxis zählt, erklärt, wann Blazor React schlägt, und warum WPF noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Wenn man Thomas-Claudius Huber nach den Highlights von C# 14 befragt, dann nennt er sofort Extension Members. Nicht wegen des Hypes, sondern wegen der konkreten Auswirkung: Bisher ließen sich nur Methoden als Extension-Methods schreiben. Mit der neuen Syntax kommen jetzt auch Extension-Properties dazu – und das macht eine Menge Dinge komfortabler. Dazu kommt das field-Keyword, das MVVM-Entwicklern ohne Source Generator oder Framework künftig deutlich kompaktere View Models ermöglicht. Backing-Fields manuell ausprogrammieren? War gestern. „Das sind für mich die zwei größten Features, die ich für die Praxis sehe", sagt Thomas. Null-Conditional Assignments findet er zwar nützlich, stuft sie aber klar als Syntax-Zucker ein – hilfreich, aber nicht spielentscheidend.

Bei .NET 10 freut er sich besonders über ein Detail, das vielen Entwickler:innen noch gar nicht aufgefallen ist: Background Services starteten bisher alle auf demselben Thread und bekamen erst im zweiten Durchlauf ihren eigenen. In .NET 10 läuft der Start von Anfang an asynchron – alle Hintergrundprozesse können gleichzeitig hochfahren. Wer viel mit Background Services arbeitet, wird das sofort merken. Ebenfalls interessant: EF Core unterstützt jetzt den Vektordatentyp in SQL Server, was den Einstieg in KI-Szenarien mit Embeddings deutlich vereinfacht.

Blazor eher für den internen Bereich

Beim Thema Blazor hat Thomas eine klare Linie. Für öffentliche Portale und kundengerichtete Anwendungen empfiehlt er React oder Angular – zu groß ist das Momentum dieser Frameworks, zu divers die Endgeräte der Nutzer:innen. Anders sieht es bei internen Business-Applikationen aus. Dort kann Blazor Server eine echte Abkürzung sein: Weil die gesamte Logik auf dem Server läuft, braucht man kein separates REST-API zwischen Frontend und Datenbank. Die Komponenten greifen direkt via EF Core auf die Daten zu. „Das ist eigentlich recht spannend für datengetriebene interne Applikationen", sagt Thomas – und er sieht das nicht nur theoretisch, sondern bei seinen Kunden in der Praxis. Manche nutzen Blazor für intern und React für extern. Das funktioniert.

Die Frage nach der Zukunft von WPF und WinForms beantwortet Thomas ohne Dramatik. Beide Frameworks laufen, werden weiterentwickelt, und Microsoft kontrolliert die eigene Plattform – ein Silverlight-Szenario ist deshalb ausgeschlossen. Visual Studio 2026 ist selbst eine WPF-Anwendung. Trotzdem ist der Shift Richtung Web real und seit rund zehn Jahren sichtbar. Thomas rät Kunden mit bestehenden Desktop-Apps, nicht reflexartig zu migrieren, sondern die Architektur sauber aufzustellen: eine klare Schnittstelle zwischen Business-Logik und Frontend – dann lässt sich später auch ein Webfrontend ergänzen, ohne alles neu bauen zu müssen. Blazor Hybrid, das Blazor-Komponenten in WPF oder WinForms-Applikationen integriert, nennt er als einen spannenden Ansatz für genau dieses Szenario.

Thomas hält drei Sessions auf der DWX 2026 - unter anderem über Data-Driven Web-Apps mit Blazor und EF Core.

 

DWX 2026, 29. Juni bis 2. Juli 2026, Mannheim https://www.developer-world.de/dwx

Thomas Claudius Huber ist Microsoft MVP im Bereich Windows Development und .NET. Er arbeitet als Freelancer unter dem Namen Thomas Claudius Huber Software Engineering. Als Trainer, Berater und Entwickler ist er in den Bereichen C#, WPF, WinUI, TypeScript und Azure unterwegs. Thomas ist Autor verschiedenster Bücher zu WPF und TypeScript und zudem Autor zahlreicher Pluralsight-Videos. Seine persönliche Webseite finden Sie unter https://www.thomasclaudiushuber.com.

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