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Lesedauer 7 Min.

Copiloten, Code und Community

Zwischen Workshop-Laptops, Casino-Chips und KI-Diskussionen: Wie die DWX 2026 im Rosengarten 2000 Entwickler:innen vier Tage lang aus dem Alltag katapultiert hat.
© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave

Auch Softwareentwickler:innen lassen sich vom Leben im Quadrat begeistern: Vom 29. Juni bis 2. Juli 2026 verwandelte sich das m:con Congress Center Rosengarten in der Quadratestadt Mannheim zum zweiten Mal in eine Mischung aus Klassenzimmer, Marktplatz und Familientreffen. Rund 2000 Teilnehmende, elf Partner aus der Industrie, drei Keynotes, 27 Tracks, über 150 Sessions und zwölf Workshops. 

Aber Zahlen lassen in keiner Weise ermessen, was sich in den vier Tagen alles tat. Die ganze Geschichte steckt eher in den Fluren, den Kaffeepausen und dem Moment, in dem jemand beim Mittagessen fragt: „Hey, bist du das wirklich?“ Und ja, plötzlich sitzt man dem GitHub-Profil gegenüber, dem man seit Monaten folgt.

Wer 2026 zur DWX kam, konnte einer Branche zuschauen, die massiv im Umbruch steckt. KI allerorten, aber nicht überall gleich weit fortgeschritten. LLMs, Copiloten und die Zukunft der Softwareentwickler:innen zog sich durch alle Gespräche und viele Sessions. Werden wir in zwei Jahren noch gebraucht, oder übernehmen Projektmanager mithilfe von LLMS auch gleich die Implementierung? Die Meinungen gingen hier weit auseinander. 

Ganz- und Halbtages-Workshops: Sitzen bleiben der anderen Art

Der DWX-Montag gehört denen, die nicht nur zuhören, sondern anfassen wollen. Deshalb starteten am 29. Juni zwölf Workshops – halb- und ganztägig –, bei denen Tippen und Debuggen zum Pflichtprogramm gehören.

Ganztägig ging es unter anderem um Test-Driven Development mit und ohne KI (David Tanzer), um KI-Backends mit Tools, Workflows und Agenten (Sebastian Springer) und um Custom MCP Server auf Azure für .NET-Entwickler:innen (Jonah Andersson). Wer es lieber klassisch mochte, konnte bei David Tielke in moderne Softwarearchitekturen eintauchen oder mit Dr. Damir Dobric Custom Copilots erstellen. ­Sascha Lehmann zeigte schließlich, wie KI die Developer-Produktivität tatsächlich hochschraubt.

Vier Stunden dauerten jeweils die Halbtagesworkshops. Christian Giesswein nahm sich der Themen EF-Core-Performance und Blazor ohne Magie an, und Christian Wenz führte durchs Web Application Security Bootcamp auf Basis der OWASP Top Ten. Vicky Pirker sorgte mit ihrem UX-Mindset-Work­shop bei Entwickler:innen für das gewisse Augenzwinkern – nicht jeder Vormittag muss bierernst ablaufen. Nachmittags legte Gregor Biswanger mit „Bye Vibe, Hello ­Vise ­Coding“ nach, während Leo Visser bei der Automation mit GitHub Actions & Azure DevOps für Fortbildung sorgte.

Das Prinzip blieb über alle zwölf Workshops hinweg dasselbe: Laptop aufklappen, loslegen, debuggen, scheitern, nochmal von vorn. Kleine Gruppen, direkter Austausch, Laptop auf dem Tisch – am Ende hatten die Teilnehmenden nicht nur Folien im Postfach, sondern funktionierenden Code auf der eigenen Festplatte.

Verschiedene Perspektiven auf dasselbe Beben

Drei Keynotes, drei völlig unterschiedliche Blickwinkel auf ein und dasselbe Thema: Was macht KI eigentlich gerade mit der Softwareentwicklung? 

 

 

Lee Stott hielt die erste Keynote. Sein Punkt: GitHub Copilot ist längst das Tor zu ganzen agentischen Workflows.

Lee Stott hielt die erste Keynote. Sein Punkt: GitHub Copilot ist längst das Tor zu ganzen agentischen Workflows.

© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave

Die Opening Keynote hielt Lee Stott, Principal Cloud Advocate bei Microsoft Core AI und Associate Honorary Pro­fessor am University College London, mit „From Code to Colleagues: How GitHub Copilot and Microsoft Foundry Are ­Redefining Developer Work“. Sein Punkt: GitHub Copilot ist längst nicht mehr nur der stille Pair-Programmer im Hintergrund, sondern das Tor zu ganzen agentischen Workflows, während Microsoft Foundry das nötige Rüstzeug liefert, um aus Experimenten produktionsreife Systeme zu machen.

Lee, der seit über zwei Jahrzehnten zwischen Softwareentwicklung, Solution Architecture und Developer Relations unterwegs ist und mit seinen „For Beginners“-Kursen zahllose Einsteiger:innen weltweit geprägt hat, machte klar: Agenten werden zu First-Class-Citizens im Entwickleralltag.

Software müsse inzwischen die Agent Experience (AX) berücksichtigen, sagte Dr. Franziska Horn in ihrer Keynote

Software müsse inzwischen die Agent Experience (AX) berücksichtigen, sagte Dr. Franziska Horn in ihrer Keynote

© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave

Am Mittwoch übernahm Dr. Franziska Horn, selbstständige AI-Architektin, Consultant und promovierte Machine-Learning-Expertin von der TU Berlin, mit „AI Rewrote the ­Rules of What to Build“. Ihre These klingt zunächst unbequem: Das Schreiben von Code per KI sei die am wenigsten interessante Veränderung. Viel spannender sei die Frage, was wir überhaupt noch bauen sollten – und für wen. Denn zunehmend sind es nicht Menschen, sondern Agenten, die Software konsumieren. Horn prägte dafür den Begriff AX, die Agent Experience, als logische Erweiterung zur klassischen UX. 

Den Abschluss bildete Dr. Larysa Visengeriyeva, AI Fellow bei ITech Progress und Gründerin des Festivals „Women+ in Data and AI“, mit ihrer Keynote zur Responsible-AI-Operationalisierung. Ihr Argument: Der EU AI Act ist kein Papierkram fürs Rechtsabteilungen, sondern eine handfeste Engineering-Aufgabe. Sie führte durch die Anforderungen an Hochrisiko-KI-Systeme, durch Metadatenmanagement, Model Cards und Rückverfolgbarkeit – und weitete den Blick anschließend aufs agentische Zeitalter, in dem sich das Risiko von falschen Antworten zu falschen Handlungen verschiebt. 

Drei völlig unterschiedliche Einstiegspunkte – aber alle drei landeten am Ende bei derselben Erkenntnis: KI verändert nicht nur, wie wir Software schreiben, sondern was Software überhaupt sein wird.

27 Tracks, 150 Sessions: die ganze Welt der Softwareentwicklung

Die folgenden drei Tage gehörten den einstündigen Sessions. 27 Tracks, verteilt auf neun Cluster, deckten praktisch jeden Winkel der Softwareentwicklung ab, von AI Technologies über Agentic AI bis hin zu Datenbankdetails, von Software Architecture bis zu .NET, Web Development oder Software Security. Jeden Track verantwortete ein Track Chair, der oder die aus über 1000 Einreichungen die Perlen herausgefiltert hatte – ehrenamtlich, aus Leidenschaft fürs Thema. Ein großes Dankeschön geht an sie. 

Eberhard Wolff stellte die unbequeme Frage, ob KI überhaupt ein taugliches Werkzeug für Architektur sei

Eberhard Wolff stellte die unbequeme Frage, ob KI überhaupt ein taugliches Werkzeug für Architektur sei

© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave
Eva Feigl zeigte, wie Entwickler:innen nicht nur Features, sondern tatsächlichen Mehrwert liefern können.

Eva Feigl zeigte, wie Entwickler:innen nicht nur Features, sondern tatsächlichen Mehrwert liefern können.  

© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave

Und dann waren da zwischen den rund 150 Sprecher:innen noch die Namen, die für sich sprechen: Eberhard Wolff stellte die unbequeme Frage, ob KI überhaupt ein taugliches Werkzeug für Architektur sei, und Dr. Gernot Starke fragte, warum selbst gute Architektinnen und Architekten manchmal schlechte Entscheidungen träfen. Eva Feigl zeigte, wie Entwickler:innen nicht nur Features, sondern tatsächlichen Mehrwert liefern können.  

Golo Roden entführte mit seinem Titel „Eine zukunftsfä­hige Architektur für Daten, KI und Analyse“ in das Pattern Command Query Responsibility Segregation (CQRS) und in die Welt des Eventsourcing. Martin Förtsch und Thomas Endres nahmen KI in Bild-, Audio- und Videoproduktion auseinander, Henning Schwentner begeisterte mit „EventStorming and Friends – A Glimpse into the Collaborative Modeling Toolbox“ für diese Vorgehensweise.

 

Direkter Kontakt: Die Partnerstände wirkten als Kristallisationskeime für Diskussionen und Austausch

Direkter Kontakt: Die Partnerstände wirkten als Kristallisationskeime für Diskussionen und Austausch

© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave
Zwischen den Partnerständen gab es noch einen Track auf der Open Stage, der gut besucht war

Zwischen den Partnerständen gab es noch einen Track auf der Open Stage, der gut besucht war

© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave

Partnerstände: Kristallisationspunkte fürs ­Networking 

Seit 2013 gehört die Fachmesse zur DWX wie der Kaffee zur Pause, und 2026 machte da keine Ausnahme. Elf Partner­unternehmen aus der Industrie zeigten ihre Lösungen: ITech Progress, fecher, INNOQ, .msg, combit, exxeta, mescius, oose, sepp.med, Textcontrol und Xebia. Von Angesicht zu Angesicht mit einem Kaffee in der Hand und genug Zeit kam man wirklich ins Gespräch. Die neue Open Stage fügte sich als zusätzlicher Track hier ebenfalls sehr gut ein.

Auch Materielles ließ sich an den Ständen mitnehmen. Vom obligatorischen Laptop-Sticker über Softwarelizenzen bis hin zu Gadgets war alles dabei. Verlosungen sorgten zudem für Trauben von Teilnehmenden. Hier kamen unter anderem Spielekonsolen unters Volk. 

Zusätzlich konnten die Teilnehmer:innen an der Treasure Hunt der Developer World mitmachen: Besuche die Stände, scanne den Code und beantworte die Fragen. Wer am schnellsten war, heimste auch hier täglich einen Preis ein. 

Manfred Steyer gab in der ersten Night Session Einblicke in den Nachbau des Spiels Super Mario in der Sprache TypeScript

Manfred Steyer gab in der ersten Night Session Einblicke in den Nachbau des Spiels Super Mario in der Sprache TypeScript

© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave
Spielbank-Feeling: Roulette, Poker und Black Jack in der Casino Night

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© Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave

Abendaktivitäten: Wenn der Code offline geht

Was wäre eine viertägige Konferenz ohne die Abende, an denen der Laptop mal ­Pause hat? Den Dienstagabend leitete die Night-Session ganz im Zeichen der Nostalgie ein: Manfred Steyer, Google Developer Expert für Angular, ließ mit „Super Mario mit TypeScript: Nostalgie trifft Coding“ 40 Jahre Videospielgeschichte im Browser wiederauferstehen, komplett mit Collision Detection und Rendering, ganz ohne Game Engine – eine unterhaltsame Reise durch Technik und Kindheitserinnerungen zugleich. 

Im Anschluss ging es in die legendäre Casino Night: echte Chips, professionelle Croupiers und jede Menge Pokerfaces, die tagsüber noch über Software­architektur diskutiert hatten. 

Am Mittwochabend folgte eine Night Session der anderen Art: Sebastian Schreiber, Gründer und Geschäftsführer des IT-Sicherheitsunternehmens SySS GmbH, zeigte anschaulich, wie IT-Netze übernommen, Passwörter geknackt, USB-Sticks ausge­hebelt, Thermostate gehackt und Antivirenprogramme umgangen werden können. 

Fazit: Ein Jahr bis zur nächsten Wohlfühlzeit

Die DWX 2026 war das, was die DWX schon immer war: Fortbildung und Wissensvermittlung, Branchentreff und Community. Satte 18 Prozent ist die Zahl der Teilnehmenden von 2025 auf 2026 gewachsen – der Kern, den sie lieben, ist gleich geblieben: Austausch, Austausch, Austausch. 

Das Thema KI spaltet die Branche – nicht im Streit, sondern im Tempo. Ein Teil arbeitet längst produktiv damit. Andere stehen noch am Anfang, unsicher, wo sich der Einstieg lohnt. 

Die nächste DWX findet vom 28. Juni bis 1. Juli 2027 wieder im m:con Congress Center Rosengarten in Mannheim statt. Wer sich jetzt schon zum Blind Price ein Ticket holt, kann besonders viel sparen. Der Call for Speakers wird rechtzeitig unter www.developer-world.de bekannt gegeben. Der Konferenz-Countdown läuft auf jeden Fall schon. 

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