Software-Lifecycle 2.0
Infinite AI Conference 2026
Denkanstöße von Anfang an: Statt eines Menschen aus Fleisch und Blut begrüßte ein KI-Avatar die Teilnehmer:innen. Danach ging es auf der Infinite AI Conference 2026 (IAIC) im m:con Congress Center Rosengarten in Mannheim zwei Tage lang um eine einzige Frage: Wie sieht Softwareentwicklung heute aus, wenn man die KI als festes Tool mit einbezieht? 140 Entwickler:innen wollten das genau wissen. Die Konferenz folgte den Stationen des Software-Lifecycle – von den Anforderungen bis zum Monitoring. Für jeden Schritt gab es eine 90-minütige Session. Zusammengefasst lautete die Botschaft: LLMs neben der Implementation auch bei allen anderen Schritten einsetzen. Heute! Jetzt!
Der erste Tag: Weg mit dem Halbwissen
Den kritischen Ton gaben Wolfgang Keller (objectarchitects) und Alexander Hofmann (MaibornWolff) in ihrer Eröffnungskeynote vor. Sie räumten mit Halbwissen auf – und benannten ein Problem, das in der Branche gerne verdrängt wird: Die Nutzung von LLMs kostet inzwischen richtig Geld. Entwickler:innen zu entlassen, um das zu kompensieren, halten die beiden für fragwürdig. Danach stellte Martin Buske (Buske Consulting) die Frage, ob klassische Requirements-Dokumente bald ausgedient haben. „Prompts statt Product Requirements Documents (PRD)“, so der Titel seiner Session, und die Frage, was danach kommt, blieb bewusst offen.
Im Anschluss nahm Christian Schrödel (e.solutions) die Architektenperspektive ein: Architekturwissen existiert in den meisten Teams zwar irgendwo – in Dokumenten, in Meetings, in den Köpfen erfahrener Kolleg:innen –, wird im Alltag aber selten genutzt. Schrödel erklärte, wie KI-Agenten bestehende Dokumentation wieder nutzbar machen können.
Olena Borzenko (rechts, Xebia) und Marie-Theresa Brosig (links, GitHub) zeigten, wie sich die Softwareentwicklung in eine AI-native Zukunft wandelt
Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event WaveAm Nachmittag zeigten Olena Borzenko (Xebia) und Marie-Theresa Brosig (GitHub) in „You are here: How software development is changing in an AI-native future“ eine Standortbestimmung, die für einige unbequeme Wahrheiten sorgte.
Den Abschluss machte Patrick Schnell (schnell.digital) mit einer steilen These: Nähern wir uns dem letzten Coding-Jahr? Seine Session über den Einfluss von Claude Code auf die Softwareentwicklung lieferte reichlich Diskussionsstoff.
In der Keynote am zweiten Tag erklärten Dr.-Ing. Dehla Sokenou (links, WPS) und Harald Störrle (rechts, QAware), wie stark KI klassische Qualitätssicherungsprozesse auf den Kopf stellt
Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event WaveDer zweite Tag: Alles muss sich ändern
Der Keynote-Titel von Dr.-Ing. Dehla Sokenou (WPS) und Harald Störrle (QAware) klingt paradox: Damit am Ende alles gleich bleibt, muss sich in Sachen Softwarequalität alles ändern. Gemeint ist damit, wie stark KI klassische Qualitätssicherungsprozesse auf den Kopf stellt. Allein das nichtdeterministische Verhalten der LLMs sorgt bei der Qualitätssicherung für massive Probleme.
Luca Ortiz (Nelta) zeigte, wie KI-gestützte Testfallgenerierung aus User Stories funktioniert und warum fachliche Präzision dabei über Schein-Coverage entscheidet
Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event WaveWeiter ging es mit Alexander Rampp (Xitaso), der der Frage nachging, ob KI beim Testen wirklich ein Gamechanger ist. Luca Ortiz (Nelta) widmete sich anschließend dem Systemtest, bevor Yuriy Varshavskyy (Xebia) das große Bild zeichnete: Wie KI den gesamten Software Delivery Lifecycle neu schreibt, von der ersten Zeile Code bis zum Roll-out. Den Schlusspunkt setzten Jonathan David und Harald Binkle (beide Xebia) mit einem Thema, das in KI-Diskussionen sonst gerne hinten runterfällt – AIOps und die KI-gestützte Wartung von Softwaresystemen.
Bei der gemeinsamen Casino Night mit den Teilnehmenden der DWX 2026 wurde an Spieltischen mit Profi-Croupiers um echte Jetons gepokert, gewürfelt und Roulette gespielt.
Foto: Sofija De Mitri | Patrizio De Mitri | Event Wave