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Lesedauer 6 Min.

Die Cloud der Weisen

Cloud-Zertifizierungen sind in aller Munde. Doch lohnt sich der Aufwand, sich ­zertifizieren zu lassen? Eine Entscheidungshilfe.
© dotnetpro
Viele Experten prophezeien dem Cloud Computing eine Zukunft, in der es einen ähnlich selbstverständlichen Stellenwert wie Elektrizität haben wird. In den beschriebenen Szenarien wird postuliert, dass niemand mehr eigene Datencenter nutzen werde. Stattdessen werde jedes Unternehmen seine Compute-Ressourcen in die Cloud verlegen. Ist dieser Trend Grund genug, sich zertifizieren zu lassen?Wer im Internet nach dem Wert und Nutzen einer Cloud-Zertifizierung sucht, findet zahlreiche Seiten, die von hohen Gehältern von IT-Professionals mit Zertifizierungen sprechen. Die genannten Zahlen unterscheiden sich zwar teilweise, aber die generelle Aussage ist klar: Eine Zertifizierung kann sinnvoll für die Karriere sein.Das Gehalt ist jedoch nicht der einzige Motivationsfaktor, sich zertifizieren zu lassen. Manche Engineers sind in ihrer Selbsteinschätzung zu optimistisch, was die eigenen Kenntnisse und Leistungen betrifft, andere unterschätzen sich. Eine Zertifizierung ist hier eine Möglichkeit, klar belegte Fakten zu schaffen. Eine bestandene Zertifizierung unterstreicht, dass eine zertifizierte Person die notwendigen Skills hat, um Cloud-Projekte durchzuführen. Das ist auch ein Grund, wa­rum manche Unternehmen ihre Mitarbeiter zertifizieren lassen: Man will einfach ein Minimum an Wissen sicherstellen, das jedem Angestellten zumutbar ist.

Welche Cloud?

Wenn also klar ist, dass eine Cloud-Zertifizierung ein wichtiger Karriereschritt sein kann, stellt sich die Frage: Welche Cloud soll es denn sein? Gartner bewertet Cloud-Provider [1], siehe Bild 1, und gilt für Analysten als die verlässlichste Quelle, um die Dienste von Unternehmen zu bewerten.
Gartners Magic Quadrantfür Cloud-Infrastruktur(Bild 1) © Bild: Gartner [1]
Jeder Cloud-Provider hat ein Zertifizierungsprogramm für Anwender und Engineers, das gilt auch für die sogenannten Nischen-Player. Meist gilt: Technologien, die der eigene Arbeitgeber nutzt oder der eigene Kunde bevorzugt, sind die beste Wahl für die Zertifizierung.Wer hier keine klare Präferenz herausliest, sollte ein Unternehmen auswählen, das von Gartner als Leader nominiert wurde. Eine subjektive Leaderempfehlung ist im gleichnamigen Kasten zu finden.

Subjektive Leaderempfehlung

<b>Die folgenden Aussagen sind subjektiv und mit Vorsicht zu genießen: </b>

AWS

AWS hat zwölf Zertifizierungen und gruppiert sie in vier Bereiche:
  • Foundational
  • Associate
  • Professional
  • Specialty
Das Bild 2 zeigt die verschiedenen Zertifizierungspfade für AWS im Überblick auf.
Diese AWS-Zertifizierungensind verfügbar(Bild 2) © Bild: AWS.Amazon.com [2]
Wer sich in der AWS Cloud zertifizieren lassen will, kann beispielsweise unter [2] weitere spezifische Informationen dazu einholen.

Azure

Microsoft Azure hat zehn Zertifizierungsprüfungen und sechs Rollen, siehe Bild 3.
Microsoft Azuremit seinen Cloud-bezogenen Zertifizierungsprüfungen und Rollen(Bild 3) © Bild: Whizlabs.com
Auch hier sind wieder die Details beim Anbieter einzuholen [3]. Für Leser, die bereits Microsoft-Zertifizierungen besitzen, ist es einfach, hier fortzusetzen, da sie bereits alles haben, was sie als Voraussetzung benötigen (zum Beispiel eine MCP-ID).

Google

Google weist mehrere zertifizierte Rollen auf, die jeweils auf eine Prüfung gemappt sind [4], siehe Bild 4.
Zertifizierungspfadeder Google Cloud Platform(Bild 4) © Bild: Gcpfellow.com
  • Associate Cloud Engineer
  • Professional Cloud Architect
  • Professional Data Engineer
  • Professional Cloud DevOps ­Engineer
  • Professional Cloud Network ­Engineer
  • Professional Cloud Security ­Engineer
  • Professional Collaboration Engineer
  • Professional Machine Learning Engineer
  • Professional Cloud Developer 

Weg zur Zertifizierung

Einige Details, wie zum Beispiel die Registrierung und der Ablauf einer Prüfung, sind je nach Cloud-Provider spezifisch.Es gibt auch Überschneidungen. Zu jeder Zertifizierung gibt es in der Regel mehrere Kursangebote im Internet, oft sogar ein größeres Spektrum. Die Qualität dieser Anbieter ist unterschiedlich. Wer sich jedoch auf eine Online-Suche danach begibt, wie andere die Prüfung geschafft haben, bekommt zahlreiche Empfehlungen. Einen häufig empfohlenen Kurs zu wählen ist in keinem Fall ein Fehler.Meist umfassen diese Online-Kurse 40 Stunden oder mehr und gehen alle Themen durch, die im Syllabus stehen.Beliebte Plattformen sind Udemy [5], A Cloud Guru [6] und Pluralsight [7]. Jeder muss für sich selbst herausfinden, welche Plattform zu am besten zu ihm passt.Neben Kursen, die Wissen vermitteln, gibt es auch noch weitere Materialien im Internet. Beispielsweise simulieren einige Provider die Prüfungen mit Testfragen, was eine gezielte Vorbereitung auf die Prüfungssituation selbst ermöglicht.Nicht alle Anbieter von Testsystemen sind seriös. Manche Anbieter versuchen, Dumps von echten Fragen in Zertifizierungen zu verkaufen. Sich durch den Kauf von echten Prüfungsfragen durch die Prüfungen zu schummeln ist nicht nur ethisch fragwürdig und illegal, es kann auch viele Probleme verursachen.Ein Vorteil von Online-Angeboten ist, dass sie aktualisiert werden können. Wer sich in den Milleniumsjahren in Micro­soft-Technologien zertifizieren hat lassen, erinnert sich vielleicht auch noch an die riesigen Schmöker von MS Press, die das komplette Lernmaterial abdeckten.Aufgrund der Dynamik und der schnellen Weiterentwicklung von Materialien ist es heute selten, dass Personen, die sich zertifizieren wollen, vollständig auf Bücher vertrauen, da diese eben nicht dynamisch aktualisiert werden können.

Individuelle Fragen

Auf LinkedIn findet man manchmal Professionals, die sich damit brüsten, eine Zertifizierung pro Woche zu absolvieren, um in nur wenigen Wochen vollständig zertifiziert zu sein. Manche fragen sich zu Recht, ob solch ein Wettlauf überhaupt sinnvoll ist.Manche Personen haben möglicherweise enorm viel Erfahrung mit der Cloud, und eine Zertifizierung ist dann für sie eine reine Formalität. Wer jedoch ohne Vorwissen in solche Rennen einsteigt, kann Prüfungen nur mit Schummelei schaffen, oder es entsteht der gleiche Effekt wie bei Studenten, die in zwei Tagen alles Wissen für eine Prüfung in sich aufsaugen. Der Lernstoff landet im Kurzzeitgedächtnis und ist auch bald wieder vergessen.Je mehr man sich vertieft und spezialisiert, desto mehr sollte man auch von der Materie – unabhängig von ihrer Anwendung in der Cloud – wissen. Security ist das beste Beispiel. Wer nur auswendig lernt, welche Cloud-Dienste welchen Zweck erfüllen, kann eine Prüfung schaffen. Wer aber Security-Experte sein möchte und keine praktische Ahnung davon hat, wie man TLS-Verschlüsselung einrichtet, wird seinen Job nicht gut machen.

Basiswissen

Jede Cloud hat
  • ein Web-UI,
  • ein Programmier-API und
  • Kommandozeilen-Parameter. 
Viele machen ihre ersten Schritte mit dem Web-UI. Doch wer intensiver mit der Cloud arbeitet, wird nach und nach zum Kommandozeilenprofi werden.Ein weiterer Schritt kann die Verwendung von Terraform sein. Terraform ist ein Werkzeug, um Infrastrukturen aufzubauen, die man für alle Cloud-Provider verwenden kann. Wer also in einer Cloud sattelfest ist, kann sich auch schnell in andere Clouds einarbeiten.Die Web-UIs der drei Anbieter unterscheiden sich deutlich, aber wer generell viel auf der Kommandozeile arbeitet, wird sich schneller in einem anderen Cloud-CLI zurechtfinden.

Weitere Zertifikate

Auf jeder Cloud-Plattform ist Linux das zentrale Betriebssystem. Das ist auch bei Microsoft Azure der Fall. Wer also sattelfest sein will, kann auch in eine Linux-Zertifizierung investieren. Die Linux Foundation und das Linux Professional Institute bieten Zertifikate an.Eine weitere sehr gern gesehene Begleitzertifizierung ist Kubernetes. Zertifikate gibt es von der Linux Foundation und der Cloud Native Computing Foundation. Auch bei diesen Zertifizierungen muss jeder selbst entscheiden, welche die richtigen für ihn sind. Diese Technologien sind jedoch hilfreich, wenn man Cloud-Native-Lösungen aufbauen will.

Planung

Wer eine Zertifizierung absolvieren möchte, sollte dafür auch bedacht und realistisch Zeit innerhalb der eigenen Aufgabenplanung investieren. Oft macht man große Pläne, und dann stellen sich 40 und mehr Stunden an Lernstoff neben Job und Familie als eine große Hürde dar.Wer es also ernst meint, plant pro Woche ein fixes Kontingent ein. Einzelne Anbieter bieten sogar Module an, in denen Trainingszeiten in den Kalender eingetragen werden.

Zusammenfassung

Ob eine Zertifizierung für jemanden sinnvoll und nützlich ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Alle Cloud-Provider bieten einen Zertifizierungspfad an, der hilfreich sein kann, eine Karriere aufzubauen.

Fussnoten

  1. Gartners Magic Quadrant für Cloud-Infrastruktur,
  2. AWS-Zertifizierung, https://aws.amazon.com/de/certification/
  3. Microsoft Azure Certifications Path, https://learn.microsoft.com/de-de/credentials/
  4. Google Cloud Platform Certification, https://cloud.google.com/learn/certification
  5. Udemy,
  6. A Cloud Guru, https://www.pluralsight.com/cloud-guru
  7. Pluralsight, https://www.pluralsight.com
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